Szenarien für die Nutzung der Blockchain

Die Digitalisierung der Fahrzeuge ermöglicht durch die Integration neuer Technologien innovative Angebote. Dadurch erweitert sich das Spektrum an Funktionalitäten der Automobile erheblich. Eine wichtige Technologie für die künftige Entwicklung digitaler Innovationen in den Connected Cars stellt die Blockchain dar. Diesbezüglich kündigte beispielsweise Porsche im Frühjahr an, die dezentral organisierte Datenbanktechnologie in den Sportwagen zu nutzen (connected-cars.net berichtete). Ein konkretes, von Porsche vorgestelltes Szenario befasst sich mit dem Remote-Zugriff auf die Connected Cars. Das Öffnen und Schließen von Türen, Fenstern, Kofferraum oder Schiebedach über die Smartphone-Applikation lässt sich mit Blockschain schneller und sicherer realisieren. In diesem speziellen Szenario optimiert die Blockchain folglich die Kommunikation und Datenübertragung der vernetzten Fahrzeuge. Bei der Integration solcher ursprünglich branchenfremder Trends gehen die Automobilhersteller auch Kooperationen mit Start-ups ein. Die Expertise von spezialisierten Start-ups scheint sehr gefragt, um für neue Technologien wie die Blockchain Nutzungsszenarien zu erarbeiten.

Auf die Konzeption von Szenarien für die Nutzung der Blockchain in den vernetzten Fahrzeugen und bei Mobilitäts-Dienstleistungen zielte auch ein Ende Juli in München veranstalteter Hackathon ab. Der von Datarella verantwortete Blockchained Mobility Hackathon zählte 150 Teilnehmer. Unter den Hauptsponsoren des Events befanden sich die beiden Automobilhersteller BMW und Volkswagen. Über das Wochenende erarbeiteten die Teilnehmer unter der Hilfe von Mentoren aus der Automobilindustrie disruptive Lösungen mit dem Einsatz bestimmter Blockchain-Technologien: IOTA und Euthereum. Die Ergebnisse verdeutlichen, wie vielseitig und wertvoll die Nutzung der Blockchain für Connected Cars, das autonome Fahren, die Elektromobilität und Mobilititäts-Services sein könnte.

Insgesamt traten 14 Teams gegeneinander an und entwarfen Ideen und Szenarien, um aktuelle Probleme in der Mobilitätsindustrie zu lösen. Am Ende kürte eine Jury die ersten drei Plätze. Das als Gewinner prämierte Projekt MaaS (Mobility as a Service) verwendet die Blockchain, um die Bezahlung und eine dynamische Preisbildung für die Mobiltitätsanbieter und deren Nutzer zu ermöglichen. Der Mehrwert: Damit könnte das heterogene Angebot an Mobilitätsdienstleistungen auf einer Plattform mit integrierter Bezahlung vereint werden. Die Nutzer würden in nur einer Applikation ihre Reise mit den unterschiedlichsten Mobilitäts-Anbietern wie Carsharing, Bikesharing oder Zug organisieren. Die in Anspruch genommenen Unternehmen erhalten anteilig die ihnen zustehende Bezahlung. Der zweite Platz ging an den Distributed Dingsbums Finder, der den Ladevorgang in vernetzten Elektrofahrzeugen adressiert. Die Idee: Besitzer einer Ladestation erhalten die Möglichkeit, diese auf einer neutralen Plattform anzubieten. Die Plattform wiederum navigiert die elektrisch betriebenen Fahrzeuge automatisch zur nächsten freien Stadtion. Das führt zu mehr Transparenz für die Fahrer eines Elektroautos und reduziert die Preise. Über eine solche Plattform könnte die Suche, der Zugang und die Bezahlung zu Ladestationen verbessert werden. Den dritten Platz sicherte sich die Idee Pac-man on Wheels, die einen Beitrag zum Forschritt des autonomen Fahrens leistet. Hierbei sammeln Autofahrer über eine Kamera Trainingsdaten für autonome Fahrzeuge und verkaufen diese Daten über Blockchain-basierte Transaktionen.

Unter den restlichen Projekten befindet sich beispielsweise meshup. Das Kürzel steht für „Motorized Emergency Saftey Helper Utilizing P2P“. Im Kern handelt es sich um ein Blockchain-Protokoll, das Informationen und Warnungen zu möglichen Gefahrenstellen auf der Route mit den vernetzten Fahrzeugen in der Umgebung austauscht. Dazu gehören etwa Angaben zu Unfällen oder Pannen auf der Straße. Dagegen befasst sich das Projekt homomorphic-iota mit Aspekten des Datenschutzes. Seit Ende Mai greift die EU-weite neue Datenschutzverordnung DSGVO. Die Regelungen der Datenschutz-Grundverordnung betreffen zwangsläufig auch die Automobilhersteller. Schließlich gehen die Connected-Car-Services mit der Verarbeitung personenbezogener Daten einher. Je intelligenter und vernetzer die Fahrzeuge sind, desto mehr persönliche Daten nutzt und speichert das Unternehmen im Backend der Connected-Car-Plattform. Solche Daten gelten als Eigentum der Nutzer, stellen aber gleichzeitig die Basis von bestimmten digitalen Diensten dar. Exemplarisch verwenden PHYD-Versicherungstraife (Pay how you drive) Informationen zum individuellen Fahrstil bei der Berechnung der Prämie. Im Umgang und mit der Weitergabe derartiger privater Daten an Dritte unterliegen die Automobilhersteller den DSGVO-Vorgaben. homomorphic-iota verdeutlicht, wie mittels Blockchain die Verarbeitung, Speicherung, Bearbeitung und Weitergabe gemäß den gesetzlichen Vorschriften möglich wäre. Dabei sieht das Projekt auch den Fall vor, dass der Nutzer selber aktiv seine Daten durch die Freigabe monetarisiert. An der Schnittstelle von Connected Cars und Elektromobilität ordnet sich die Idee augene ein. Letztere baut auf der Problemstellung auf, wonach erstens im ländlichen Raum eine Knappheit an Ladestationen herrscht und zweitens Nutzer nicht zwangsläufig der Herstellerangabe zur durchschnittlichen Reichweite trauen. Die Lösung: Eine Plattform aggregiert Fahrzeugdaten und liefert per Crowdsouring eine realistische Angabe zur aktuell möglichen Reichweite.


Quellen:

https://blog.iota.org/blockchained-mobility-hack-munich-germany-3c365e861b46

https://www.wired.de/article/bei-der-blockchain-wollen-volkswagen-bmw-und-co-schneller-als-die-konkurrenz-sein