Connected-Car-Plattformen

 

Die Connected Cars stellen einen aktuellen Megatrend in der Automobilbranche dar. Die Vernetzung der Fahrzeuge gilt als relevanter Treiber im Hinblick auf den derzeit stattfindenden Branchenumbruch. Automobilhersteller unternehmen intensive Anstrengungen, um in ihren Fahrzeugen Connected-Car-Services zu offerieren.

Obwohl den vernetzten Automobilen eine hohe Bedeutung zukommt, findet die Thematik in der wirtschaftswissenschaftlichen Forschung bislang wenig Aufmerksamkeit. Es existieren vergleichsweise wenige Veröffentlichungen, die sich mit den Connected Cars befassen. An dieser Forschungslücke setzen die Autoren Bosler, Jud und Herzwurm von der Universität Stuttgart an. Sie veröffentlichten in der Fachzeitschrift HMD Praxis der Wirtschaftsinformatik (2017) den Artikel Connected-Car-Services: eine Klassifikation der Plattformen für das vernetzte Automobil. Besagte Veröffentlichung beschäftigt sich mit dem Plattform-Ökosystem rund um die vernetzten Fahrzeuge.

 

Die Automobilhersteller bieten die eingangs angesprochenen Connected-Car-Services über geeignete Plattformen an. Allerdings existieren im Ökosystem der Connected Cars noch weitere Akteure, die wiederum andere Plattform-Konstrukte betreiben. Das führt für Außenstehende zu einer komplexen Plattform-Landschaft. Bosler et al. (2017) identifizieren und charakterisieren im Rahmen ihrer Arbeit die dominierenden Typen von Connected-Cars-Plattformen. Außerdem beschreiben sie deren Zusammenspiel im übergeordneten Ökosystem der vernetzten Fahrzeuge.

 

Der Artikel Connected-Car-Services: eine Klassifikation der Plattformen für das vernetzte Automobil hebt folgende vier wichtige Plattformtypen hervor:

  • Connected-Car-Plattformen der Automobilhersteller
  • Unterstützende IT-Plattformen
  • Plattformen zur Smartphone-Integration
  • „Connected Car Platform as a Service“-Ansatz

 

Die Automobilhersteller-Plattformen stellen die Connected-Car-Services des jeweiligen OEMs zur Verfügung. Fahrer und Halter eines Fahrzeuges profitieren von einem umfangreichen Dienstportfolio. Generell unterteilen sich die Connected-Car-Plattformen der Automobilhersteller in ein Frontend und ein Backend. Das Frontend umfasst sämtliche Aspekte, welche der Endnutzer (im Sinne des Fahrers oder Halters) wahrnimmt. Hierzu gehören insbesondere der Bildschirm im Cockpit sowie eine Applikation für mobile Endgeräte. Zusätzlich betreiben die Hersteller ein Webportal. Darüber nimmt der Nutzer vor der erstmaligen Anwendung die Registrierung vor. Später dient das Portal zur Buchung kostenpflichtiger Dienste. Dazu lassen sich über das Portal auch ausgewählte Connected-Car-Services (wie die Remote-Steuerung der Türen) verwenden. Zum Backend zählen alle Prozesse und Datenflüsse, die im Hintergrund bei der Dienstabwicklung entstehen. Das setzt eine komplexe IT-Infrastruktur voraus.

 

» Weiterführende Informationen zu den Connected-Car-Services « 

 

An den Prozessen des Backends setzen die unterstützenden IT-Plattformen an. Als deren Betreiber fungieren Dienstleistungsunternehmen aus der Informationstechnikbranche. Die IT-Dienstleister bieten plattformbasierte Lösungen an, welche die Automobilhersteller bei der Abwicklung des Backends unterstützen. Dementsprechend ergibt sich für die OEMs die Option, das gesamte Backend – oder ausgewählte Teile des Backends – an einen spezialisierten Dienstleister fremd zu vergeben. Dadurch entfällt für die Automobilhersteller die Notwendigkeit, die erforderlichen Ressourcen und IT-Kompetenzen aufzubauen. Stattdessen übernimmt die Prozessabwicklung und -absicherung das spezialisierte, erfahrene IT-Unternehmen.

Während sich die unterstützenden IT-Plattformen auf die Backend-Abwicklung beziehen, zielt der „Connected Car Platform as a Service“-Ansatz auf die im Frontend sichtbaren Dienste ab. Hierbei kaufen die OEMs – bei Bedarf  – fertig entwickelte Connected-Car-Dienste oder komplette Service-Portfolios von einem Drittanbieter ein. Es handelt sich folglich um die Alternative zur Eigenentwicklung. Die Services werden ebenfalls über Plattform-Konstrukte angeboten und von interessierten Automobilherstellern darüber integriert.

Mit den Plattformen zur Smartphone-Integration sind insbesondere die beiden Lösungen CarPlay von Apple sowie Android Auto von Google gemeint. CarPlay und Android Auto stellen Technologien dar, um die Anzeige eines iOS- oder Android-Smartphones auf das Display im Fahrzeug-Cockpit zu projizieren.  Das erfolgt in einem Layout mit reduzierter Oberfläche, um die Ablenkung vom Straßengeschehen gering zu halten. Google und Apple wählen aus, welche Anwendungen aus den jeweiligen App-Stores für die Nutzung im Automobil freigeschaltet werden. Die beiden Plattform-Betreiber stellen ihre Lösung den Automobilherstellern zur Verfügung. Letztere entscheiden, ob sie die Smartphone-Integration in ihren Fahrzeugen anbieten. Oftmals verlangen die Hersteller bei der Fahrzeug-Konfiguration einen Aufpreis für CarPlay oder Android Auto. Die Smartphone-Integration erweitert das Conneted-Car-Angebot der OEMs an den Endkunden. Auf der anderen Seite bieten CarPlay oder Android Auto mitunter vergleichbare Services wie die Plattformen der Automobilhersteller (beispielsweise Navigation mit Live Traffic, Music Streaming, Kalender); das impliziert eine teilweise substituierende Beziehung.

 


 

Quelle:

Micha Bosler, Christopher Jud, Prof. Dr. Gerog Herzwurm (2017), Connected-Car-Services: eine Klassifikation der Plattformen für das vernetzte Automobil, in: HMD (2017); DOI:10.1365/s40702-017-0336-z