Datenbasierte Dienste im vernetzten Automobil

Die Automobilbranche erhofft sich großes Potenzial von datenbasierten Diensten in den Connected Cars. Vernetzte Fahrzeuge sammeln permanent mittels der Sensorik und den integrierten digitalen Technologien die unterschiedlichsten Informationen. Daraus resultiert eine immense Datenmenge, auf deren Basis sich die unterschiedlichsten Services umsetzen lassen. Als einer der wichtigsten digitalen Dienste gilt in diesem Zusammenhang die Car-to-X-Kommunikation. Im Backend der Connected-Car-Plattformen aggregieren die Hersteller von den Fahrzeugen gemeldete Angaben zu gefährlichen Situationen im Verkehrsgeschehen. Das ermöglicht es, nachfolgende Fahrer vor kommenden Gefahrenstellen rechtzeitig zu warnen. Ein anderes Beispiel stellt der Dienst On-Street-Parking dar. Zahlreiche moderne Automobile verfügen über eine Einparkhilfe, die während der Fahrt freie Parklücken am Straßenrand erkennt. Indem derartige Daten über alle Connected Cars gesammelt und ausgewertet werden, lassen sich Wahrscheinlichkeitsprognosen im Navigationssystem zu freien Parklücken anzeigen.

An den vielfältigen fahrzeugbezogenen Daten zeigen auch Drittanbieter starkes Interesse. Exemplarisch teilen die Automobilhersteller nach Zustimmung der Kunden Informationen zum Fahrverhalten mit Versicherungsunternehmen. Dadurch sind Kfz-Versicherungen in der Lage, Tarife anzubieten, deren Prämien sich nach dem Fahrstil des Versicherungsnehmer bemessen (pay how you drive). BMW führte 2017 das Angebot BMW CarData ein. Darüber erhalten die Nutzer der Connected-Car-Plattform die Möglichkeit, für ausgewählte Szenarien ihre Daten an Drittanbieter freizugeben. Seit Dezember bietet Daimler mit Mercedes-Benz Data ebenfalls einen Service an, der fahrzeuggenerierte Daten über Schnittstellen an Drittanbieter weiterleitet, sofern der Nutzer dieser Weitergabe zustimmt.

Mercedes-Benz Data stellt aktuell Daten für folgende Szenarien zur Verfügung:

  • Tankfüllstand und verbleibende Reichweite
  • Aktueller Kilometerstand für Versicherungen
  • Informationen zum Schließzustand von Türen, Fenstern und Schiebedach
  • Batterieladestand und Reichweite für Elektrofahrzeuge

Es ist davon auszugehen, dass künftig noch mehr Szenarien realisiert werden, bei denen Drittanbieter digitale Innovationen auf Basis der Fahrzeug- und Kundendaten anbieten. Allerdings wurden derartige Vorhaben durch die Einführung der neuen Datenschutzgrundverordnung im letzten Jahr erschwert. Die DSGVO regelt die Pflichten von Unternehmen bei der Nutzung und Verarbeitung personenbezogener Daten. Daraus ergeben sich umfangreiche Anforderungen, die es vonseiten der Automobilhersteller zu beachten gilt.

Als erster OEM führte jetzt Daimler die sogenannten „Extended Vehicle“ und „Neutrale Server“ Konzepte ein, die gemeinsam vom Verband der deutschen Automobilindustrie und der European Automobile Manufacturers Association vereinbart wurden. Diese Vereinbarung zielt darauf ab, einen freien Wettbewerb zwischen den Fahrzeugherstellern und Drittanbietern zu gewährleisten. Die zum Einsatz kommenden neutralen Server werden von unabhängigen Unternehmen betrieben. Besate Betreiber verpflichten sich vertraglich, die Anforderungen der DSGVO zu erfüllen. Stimmt der Fahrer der Weitergabe seiner Daten zu, werden die entsprechenden Informationen vom Backend der Connected-Car-Plattform des Hersteller über die neutralen Server den Drittanbietern zur Verfügung gestellt. Es findet auf den neutralen Servern keine Speicherung oder anderweitige Verarbeitung der Daten statt. In diesem Szenario kennt der Automobilhersteller weder die beteiligten Drittanbieter noch deren Geschäftsmodelle. Da der Zugang zu den Kundendaten über das Plattform-Backend erfolgt, findet kein direkter Zugriff auf das vernetzte Automobil statt. Dadurch lassen sich Risiken hinsichtlich der Fahrzeug- und Verkehrssicherheit vermeiden.


Quelle: https://media.daimler.com/marsMediaSite/de/instance/ko/Mercedes-Benz-Kunden-profitieren-von-neuen-Datendiensten.xhtml?oid=42066649