In-Car-Gaming: das vernetzte Fahrzeug als Spielkonsole

Mit der Digitalisierung der Fahrzeuge entstehen rund um das vernetzte Automobil neue Anwendungsfälle, die über das reine Mobilitätsversprechen hinausgehen. Zu den digitalen Innovationen gehört das In-Car-Gaming, bei dem das Infotainmentsystem als Spielekonsole dient. Bereits mehrfach zeigte Daimler mittlerweile dem breiten Publikum, welche Möglichkeiten In-Car-Gaming bietet. Auf dem Mobile World Congress in Barcelona, auf der gamescom oderzuletzt auf der Frankfurter IAA präsentierte das Unternehmen ein CLA Coupé. Allerdings handelte es sich um keine gewöhnliche Fahrzeugausstellung. Im Innenraum des weißen Mercedes spielten die Besucher SuperTuxKart, ein Arcade-Rennspiel vergleichbar mit Mario Kart. Dabei basierte das Videospiel auf der realen Fahrzeugausstattung des CLA. Das Display des Infotainmentsystems MBUX dient als Bildschirm. Das virtuelle Kart steuert der Nutzer, indem er die Pedale und das Lenkrad verwendet. Je schneller sich das Fahrzeug im Spiel bewegt, desto stärker wird der Luftstrom der Belüftung. Abgerundet wir das In-Car-Game-Erlebnis durch passende Farben der Ambiente-Beleuchtung. Währenddessen bewegt sich das Fahrzeug in der Realität natürlich keinen Zentimeter.

© Daimler

Die Intention hinter der Präsentation: Die verantwortlichen Entwickler wollten zeigen, was mit der aktuellen Technik im MBUX-System bereits möglich ist. Der konkrete Anwendungsfall erwies sich als gelungen. Die Idee kam nicht nur beim Publikum gut an, sondern brachte auch ein mediales Echo mit sich und sorgte für Aufsehen. Dabei klingt das vernetzte Auto als mobile Spielkonsole zunächst ungewöhnlich. Tatsächlich bietet In-Car-Gaming jedoch das Potenzial, sich zu einem zukünftigen digitalen Geschäftsmodell zu entwickeln. Schließlich zeigt der Markt rund um Gaming und eSports ein beachtliches Wachstum. Hinsichtlich der Marktgröße liegt die Gaming-Industrie schon vor der Musik- und TV-Sparte.

In-Car-Gaming für die freigewordene Zeit bei autonomen Fahrzeugen

Auf den ersten Blick passen Gaming auf dem Fahrersitz und Autofahren nicht unbedingt zusammen. Das gilt, solange sich der Fahrer auf das Straßengeschehen konzentrieren muss. Anders sieht es aus, wenn in der Zukunft selbstfahrende Autos auf den Straßen unterwegs sind. Dann befasst sich keiner der Insassen mehr mit dem aktiven Fahren. Das bedeutet: Autonome Fahrzeuge versprechen einen Zeitgewinn. Anstatt das Auto zu lenken kann sich der ehemalige Fahrer anderen Dingen widmen. Auch für die Beifahrer ändert sich die Situation. Aktivitäten, die den Fahrer ablenken könnten, gibt es nicht mehr. Daher beschäftigen sich die Automobilhersteller intensiv mit der Frage, welche Angebote sie ihren Kunden für die freigewordene Zeit offerieren. Bereits jetzt nehmen die digitalen Services bei der Kaufentscheidung einen wichtigen Stellenwert ein (connected-cars.net berichtete). Bei den autonomen Fahrzeugen wird deren Bedeutung mutmaßlich nochmals deutlich zunehmen. Die Kunden wählen ihr Automobil dann nicht nur nach Motorisierung, Marke und Sicherheit aus. Vielmehr sind auch die digitalen Angebote für die Zeit während der autonomen Fahrt entscheidend.

Ein bekanntes Szenario für diesen Fall sind In-Car-Office-Lösungen. Moderne Connected Cars bieten dahingehend schon erste Services wie die Einwahl in Skype-Konferenzen während der Fahrt. Mit Blick auf das autonome Fahren eröffnen sich Möglichkeiten, solche Ansätze auszuweiten. Zum Beispiel, indem Präsentationen oder Videobilder der Gesprächspartner auf dem Infotainmentsystem gezeigt werden. Ein weiterer vielversprechender Ansatz stellt das angesprochene In-Car-Gaming dar. Während das reale Fahrzeug selbstständig navigiert, widmen sich Fahrer oder Beifahrer der virtuellen Welt. Das Gamingerlebnis muss sich nicht zwangsläufig auf das Display des Infotainmentsystems begrenzen. VR-Brillen oder Anzeigen über die gesamte Windschutzscheibe wären denkbare Steigerungsmöglichkeiten. Dabei bietet das In-Car-Gaming das Potenzial, ein beeindruckenderes Spielgefühl zu vermitteln als es am PC oder am Smartphone möglich ist. Lüftungsdüsen mit kalter oder warmer Luft, Beduftung, Gurtstraffer oder die Sitzheizung lassen sich einsetzen, um die virtuelle Situation durch reale Einflüsse zu verstärken.

Videospiele im Stau oder an der Ladesäule

Das volle Potenzial des In-Car-Gamings setzt sicherlich das autonome Fahren voraus, das keinerlei Eingriffe des Menschen mehr benötigt. Allerdings sind die Anwendungsfälle nicht nur auf selbstfahrende Automobile beschränkt. Vorstellbar wären Spiele zum Zeitvertreib im Stau. Bei Elektroautos ergeben sich auf längeren Fahrten zwangsläufig Wartezeiten an der Ladesäule. Hier könnten Spiele ebenfalls für Abwechslung sorgen. An dieser Stelle setzt auch das Video-Streaming im Fahrzeug an. So gab beispielsweise Tesla vor einigen Wochen bekannt, Netflix und YouTube in das Infotainmentsystem zu integrieren (connected-cars.net berichtete). Zunächst begrenzt sich deren Nutzung noch auf den geparkten Zustand. Elon Musk, Gründer und CEO von Tesla, kündigte aber schon an, das Video Streaming auf die autonome Fahrt auszuweiten, wenn die rechtlichen Voraussetzungen gegeben sind.


Quelle: https://blog.daimler.com/en/2019/09/24/in-car-gaming/