Eigene Sprachsteuerung und künstliche Intelligenz im Infotainmentsystem MBUX

Die Präsentation der neuen A-Klasse (W177) steht kurz Bevor. Am kommenden Freitag zeigt Daimler erstmals das Design des Kompaktwagens, im März kommt das Fahrzeug in den Markt. In der A-Klasse feiert das neue Infotainmentsystem MBUX (Mercedes-Benz User Experience) seine Premiere. Das Infotainmentsystem MBUX stellte Mercedes-Benz bereits Anfang des Jahres auf der CES 2018 in Las Vegas vor. Mit MBUX läutet der Stuttgarter Automobilhersteller eine neue Ära der Connected Cars mit dem Stern ein. Das Infotainmentsystem bildet neben der Smartphone-Applikation und dem Webportal das Frontend der Connected-Car-Plattform Mercedes me connect.

 

Im Rahmen der Veranstaltung „Technologieführer der Automobilindustrie stellen sich vor“ an der Universität Stuttgart referierte Ola Källenius, Vorstand der Daimler AG für den Bereich Forschung und Entwicklung (RD), zum Thema „Innovationen als Schlüssel für die Mobilität der Zukunft“. Källenius sprach unter anderem über die Connectivity der Fahrzeuge von Mercedes-Benz und das neue Infotainmentsystem MBUX. Angesichts der aktuell stattfindenden Transformation der Branche werde das Automobil in den nächsten fünf bis zehn Jahren neu erfunden werden.

 

Mercedes-Benz User Experience: neuentwickeltes Infotainmentsystem 

Der disruptive Trend der Vernetzung der Fahrzeuge beschäftigte die Daimler AG sehr, so der Vorstand für Konzernforschung und Entwicklung. Das Automobil sei quasi das „ultimate mobile Device“ – ein Smartphone auf Rädern. Das bisherige Infotainmentsystem COMAND sei fast 20 Jahre lang weiterentwickelt worden. Vor drei Jahren trafen die Verantwortlichen die Entscheidung, dessen Entwicklung einzustellen und es durch eine vollständige Neuentwicklung zu ersetzen. Das Ergebnis: MBUX, Mercedes-Benz User Experience. Neben der Touch-Funktionalität wurden auch das Bedienkonzept und die Ästhetik von Grund auf neu gedacht. Das Zielsetzung bestand darin, analog zu Apples iPhone die Bedien- und Anwenderfreundlichkeit in die Connected Cars zu bringen.

 

Die Entscheidung, das neue Infotainmentsystem MBUX erstmalig in der A-Klasse zu verbauen, liegt nahe. Der Kompaktwagen weist das jüngste Kundenalter unter den Mercedes-Benz-Modellen auf. Insbesondere die jüngeren Käufer zeichnen sich durch Erfahrungen mit mobilen Geräten und digitalen Services aus – dementsprechend besitzen sie höhere Ansprüche an die Vernetzung in den Automobilen. MBUX sei zu einem Großteil selber in-House bei Daimler entwickelt worden. In der Vergangenheit habe man das noch verstärkt den Lieferanten übernehmen lassen. Die neue Strategie zielt folglich darauf ab, das notwendige Know-how intern zu besitzen.

 

„Hey Mercedes“ – eigene Sprachsteuerung

Das Thema der Sprache besitze im Kontext der Connectivity eine wichtige Bedeutung. Aus diesem Grund integriert Daimler in MBUX eine neue Spracherkennung. Wie connected-cars.net bereits berichtete, setzt Mercedes auf eine intelligente Sprachsteuerung, die auf die Worte „Hey Mercedes“ hört. Der Assistent reagiert auf indirekte Befehle, stellt sich auf die Stimme des Nutzers ein und lernt Modewörter. Die an der Entwicklung der Sprachsteuerung beteiligten Partner sind bislang nicht bekannt. Allerdings erläuterte Källenius die Beweggründe, warum Daimler nicht ausschließlich auf eine bestehende Lösung wie Amazon Alexa oder die Sprachsteuerung von Google setzt. Insbesondere in ländlichen Gegenden oder auf einigen Autobahnabschnitten besteht womöglich keine Mobilfunkverbindung. Deswegen reicht eine onlinebasierte Sprachsteuerung alleine nicht aus. Daher besteht die Notwendigkeit einer Lösung, die sowohl On-Board- als auch Off-Board-Funktionalitäten umfasst.

 

Künstliche Intelligenz und Connected Cars

Mit MBUX kommt die Künstliche Intelligenz (Artificial Intelligence) in den Connected Cars von Mercedes-Benz erstmalig zum Einsatz. Das vernetzte Automobil wird künftig lernen, wie sich der Fahrer verhält – und stellt sich darauf ein. Dadurch erkennt das Infotainmentsystem mit künstlicher Intelligenz gewisse Muster im Tages- oder Wochenablauf. Ola Källenius präsentierte in diesem Kontext mehrere denkbare Szenarien. Finden beispielsweise Telefonate mit bestimmten Personen wiederholt zu ähnlichen Zeitpunkten statt, schlägt MBUX den Kontakt automatisch vor. Dasselbe gilt für häufig genutzte Routen in der Zieleingabe der Navigation oder für den Musikgeschmack.

 

Die Preise der neuen A-Klasse sind noch nicht bekannt. Daher bleibt abzuwarten, inwiefern sich das Erlösmodell im Geschäftsmodell der Connected Cars im Zuge des neuen Infotainmentsystems MBUX verändert. Nach der A-Klasse folgt MBUX in weiteren Modellreihen der Daimler AG.

 

 


 

Zum Autor

 

Micha Bosler ist akademischer Mitarbeiter und Doktorand am Lehrstuhl für Innovations- und Dienstleistungsmanagement (IDM) des Betriebswirtschaftlichen Instituts der Universität Stuttgart.

Im Rahmen seiner wissenschaftlichen Tätigkeit befasst er sich mit den beiden Schwerpunkten Connected Cars und Start-up Kooperationen. Seine Forschungsinteressen liegen auf den Aspekten Innovations- und Dienstleistungsmanagement im Kontext der vernetzten Fahrzeuge sowie externer Gründergeist in etablierten Unternehmen – innovativ durch Kooperationen mit Start-ups. Bisherige Veröffentlichungen widmen sich unter anderem einer Klassifikation der Connected-Car-Plattformen sowie einer Analyse digitaler Geschäftsmodelle für Connected-Car-Services.

 

Xing-Profil | LinkedIn-Profil | IDM-Profil

8 Comments

  1. Pingback: Connected-Car-Services nachrüsten mit dem Adapter von Pace – Connected-Cars.net

  2. Pingback: Mercedes me connect: neues Erlösmodell bei Connected-Car-Services – Connected-Cars.net

  3. Pingback: Vernetzte neue A-Klasse ermöglicht privates Carsharing – Connected-Cars.net

  4. Pingback: Mercedes PRO connect mit MBUX im neuen Sprinter verfügbar – Connected-Cars.net

  5. Pingback: Mercedes integriert Augmented Reality in Connected Cars – Connected-Cars.net

  6. Pingback: Start-up Kooperationen im Geschäftsmodell der Connected Cars – Connected-Cars.net

  7. Pingback: Amazon Alexa: Sprachsteuerung in den vernetzten Fahrzeugen – Connected-Cars.net

  8. Pingback: Virtual Reality auf der Rückbank: Audi präsentiert Szenario auf der CES 2019 – Connected-Cars.net

Comments are closed.