Nach dem Vorbild von Apple: Mercedes öffnet Ökosystem für Entwickler

Vor rund zehn Jahren öffnete Apple sein Ökosystem für externe Entwickler. Das Software Development Kit (SDK) von Apple diente dabei als Werkzeugkasten, der beliebigen Programmierern Zugang zu definierten Schnittstellen gewährte. Infolgedessen entwickelte sich über den App Store ein großes, vielfältiges Angebot an ergänzenden Applikationen. Externe Programmier entwickeln für das entstandene Ökosystem innovatione Funktionen aus den unterschiedlichsten Kategorien. Smartphones ohne die zahlreichen Applikationen sind aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken. Von dieser Öffnung des Ökosystems profitierten alle beteiligten Parteien. Die Nutzer bekommen durch die komplementären Entwicklungen Zugang zu viel mehr Applikationen. Aus Perspektive von Apple erfährt das Ökosystem dadurch einen Wertzuwachs, der in Eigeninitiative nicht realisierbar gewesen wäre. Gleichzeitig partizipiert der Plattformbetreiber an den Erlösen der Drittanbieter. Für die Entwickler hingegen bietet sich die Möglichkeit, mit vergleichsweise wenig Aufwand ihr Angebot einer breiten Nutzergruppe zur Verfügung zu stellen.

Apple gilt als Vorbild für ein digitales Ökosystem, das für Drittanbieter geöffnet ist. Daran orientieren sich auch die Automobilhersteller, wenn sie für ihre vernetzten Fahrzeuge digitale Plattformen konzipieren. Bislang dominieren im Bereich der Connected Cars allerdings geschlossene Ökosysteme. Zwar sind viele Drittanbieter, die komplette Services oder den notwendigen Content für die Dienste liefern, an der Wertschöpfung beteiligt, der Zugang ist allerdings nicht frei. Stattdessen obliegt in der Regel dem Automobilhersteller die Entscheidung, welche Akteure Zugang zu der Plattform erhalten. Das schränkt das Wachstum der Plattform ein: Je mehr Connected-Car-Services existieren, desto wertvoller nehmen die Kunden das Ökosystem wahr. Dieses Phänomen beschreibt die wissenschaftliche Literatur als Netzwerkeffekt. Mit einer für beliebige Entwickler geöffneten Plattform könnte das Angebote an digitalen Diensten womöglich beachtlich gesteigert werden. Vorausgesetzt, die Drittanbieter sehen die Ökosysteme der Automobilhersteller als attraktive Plattformen, um ihre Entwicklungen zu veröffentlichen. Andererseits steigt mit der zunehmenden Anzahl an Teilnehmern die Komplexität an. Die Automobilhersteller als Plattformbetreiber stehen vor der zentralen Herausforderung, die Sicherheit zu gewährleisten. Dementsprechend abwartend agierten die Hersteller bislang, was die Öffnung ihres Ökosystems anbelangte.

 

© Daimler

Dennoch wissen die Fahrzeugbauer natürlich um die Bedeutung einer offenen Plattform hinsichtlich des künftigen Wachstums ihrer Ökosysteme. Daher geht Mercedes-Benz als einer der ersten Automobilhersteller nun den entscheidenden Schritt weiter. Das Stuttgarter Unternehmen bietet interessierten Software-Entwicklern Zugriff auf ein eigenes Software Development Kit. Dies kündigte Daimler auf der diesjährigen IAA an. Das über die eigene Entwickler-Plattform Mercedes-Benz/developers zur Verfügung gestellte SDK bietet Zugriff auf Programmierschnittstellen. Darunter befinden sich beispielsweise Datenpunkte aus dem Auto wie der aktuelle Füllstand des Tanks oder die zurückgelegte Wegstrecke. Auf dieser Basis können interessierte Personen und Unternehmen neue Geschäftsideen und Connected-Car-Services für Mercedes me connect entwickeln. Sofern das SDK Akzeptanz und Anklang in der Programmierwelt findet, besteht das Potenzial für generative Weiterentwicklungen. Darunter versteht die Wissenschaft innovative Weiterentwicklungen von digitalen Angeboten durch Dritte, die ursprünglich nicht absehbar waren.