Remote Software Upgrade: Funktionen nachträglich ergänzen

Die Mobilfunkverbindung der vernetzten Fahrzeuge unterstützt die drahtlose Installation von Software-Updates. Tesla praktiziert schon seit mehreren Jahren Updates, die sogar neue Fahrzeug-Funktionen ermöglichen. Die drahtlos „over the air“ installierten Aktualisierungen beinhalten nicht nur neue Connected-Car-Services, sondern auch Funktionalitäten, die das Fahrverhalten des Automobils auf der Straße betreffen. So führte der Automobilhersteller bereits 2015 per Update einen selbstständigen Spurwechsel, eine Einparkautomatik und eine automatische Notbremse ein. Umgekehrt nutzt Tesla die bestehende Mobilfunkverbindung zum Fahrzeug, um bestehende Funktionalitäten einzugrenzen. Im Mai 2019 schränkte das Unternehmen in Europa durch ein Update Lenkfunktionen des Autopiloten beim Model S und dem Model X ein. Als Grund nannte das Unternehmen eine Veränderung bei internationalen Regelungen zur Zulassung von Fahrzeugen.

Etablierten Automobilherstellern fällt es dagegen schwerer, in einem solchen Ausmaß Software-Updates durchzuführen. Zwar installieren die meisten OEMs mittlerweile ebenfalls drahtlose Updates, allerdings beschränkt sich deren Inhalt noch auf die Behebung von Fehlern bei bestehenden digitalen Diensten oder die Erweiterung des Service-Portfolios. Das dürfte auf die Altlasten der etablierten Marken zurückzuführen sein. Während Tesla als Neueinsteiger seine Modelle von Beginn an mit einem hohen Anteil an Software und Vernetzung konzipierte, bauen die bekannten Hersteller auf Architekturen auf, die aus Zeiten vor der Digitalisierung stammen. Das erhöht die Komplexität und erschwert somit die Aktualisierung per Over the Air Update.

Dennoch beabsichtigen auch die etablierten OEMs die nachträgliche Freischaltung von Funktionen oder die Ergänzung um neue Funktionen. Daimler bietet erstmalig für die A-Klasse die Möglichkeit der Sonderausstattung on demand. Dabei besteht die Option, ausgewählte Sonderausstattung im Bedarfsfall freizuschalten. Käufer eines Gebrauchtwagens sind nicht mehr ausschließlich auf die Fahrzeug-Konfiguration des ersten Halters angewiesen. BMW führt jetzt für seine aktuellen Modelle das Remote Software Upgrade ein. Die neue Funktion erlaubt es, über Online-Updates fahrzeug-spezifische Inhalte zu ergänzen. Dazu gehören auch Erweiterungen von Fahrassistenzsystemen. Als Beispiele nennt der Hersteller den Seitenkollisonsschutz oder eine aktive Geschwindigkeitsregelung. Bei künftigen Upgrades wird ebenfalls der „on demand“-Ansatz verfolgt. Laut BMW wird es möglich sein, zusätzliche Fahrzeugfunktionen im ConnectedDrive Store zu erwerben. Anschließend wird die gewünschte Funktion im Fahrzeug freigeschaltet.

© BMW

Das Remote Software Upgrade von BMW steht für die Fahrzeuge mit dem Betriebssystem 7.0 des Herstellers zur Verfügung. Als erste Funktion des Upgrades erweitert der Hersteller sein Angebot an digitalen Services um eine natürliche Sprachsteuerung namens BMW Intelligent Personal Assistant. Der digitale Charakter hört auf den Befehl „hey BMW“. Dessen Fähigkeiten und Funktionen nehmen dank künstlicher Intelligenz kontinuierlich zu. Nachdem Mercedes für das Infotainmentsystmem MBUX in der A-Klasse im Mai 2018 eine Sprachsteuerung mit künstlicher Intelligenz (hey Mercedes) einführte, zieht BMW damit nach. Der intelligente Assistent von BMW fungiert als Gesprächspartner, lernt die Abläufe des Fahrers und kennt dessen bevorzugte Einstellungen. Der Fahrer darf dem digitalen Charkater einen eigenen Namen geben. Mit künftigen Software-Updates bekommt der BMW Intelligent Assistant noch mehr Fähigkeiten.


Quellen:

https://teslamag.de/news/tesla-beschneidet-autopilot-bei-europaeischen-model-s-und-model-x-24243

https://www.press.bmwgroup.com/deutschland/article/detail/T0284429DE/%E2%80%9Ehey-bmw-jetzt-reden-wir-%E2%80%9C-mit-bmws-intelligent-personal-assistant-bekommt-der-bmw-eine-persoenlichkeit?language=de

https://www.press.bmwgroup.com/deutschland/article/detail/T0296516DE/upgrade-fuer-die-zukunft?language=de

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