Studie: CarPlay und Android Auto nehmen weniger Zeit in Anspruch

 

Die Digitalisierung öffnet die Branchengrenzen der Automobilindustrie. Bedingt durch den Wandel bietet sich für neue Akteure die Chance zum Markteintritt. Das trifft beispielsweise auf Google und Apple zu. Die beiden großen IT-Unternehmen bieten mit Android Auto und Apple CarPlay Lösungen zur Smartphone-Integration an. Das Prinzip: Der Fahrer verbindet das Smartphone mit dem Infotainmentsystem, daraufhin fungiert das Fahrzeug-Display als Bildschirm. Die beiden Lösungen projizieren die Smartphone-Anzeige mit einer reduzierten Oberfläche auf das Infotainmentsystem.

 

Allerdings lassen sich in diesem Modus nur ausgewählte Applikationen verwenden. Die unterstützten Anwendungen überschneiden sich teilweise mit den nativen Funktionalitäten des Infotainmentsystems. Das trifft etwa auf Connected-Car-Services wie Navigation mit Live Traffic oder das Music Streaming zu. Derartige identische Funktionen implizieren einen substituierenden Charakter der Smartphone-Integrations-Lösungen (vgl. Bosler et al. (2017): Connected-Car-Services: eine Klassifikation der Plattformen für das vernetzte Automobil, HMD (2017), Vol. 54 (6)).

 

An der geschilderten Konkurrenzsituation zwischen den Lösungen zur Smartphone-Integration und den nativen Infotainmentsystemen der Automobilhersteller setzt eine Studie der AAA Foundation for Traffic Safety an. Die Studie geht davon aus, dass die Infotainmentsysteme der vernetzten Fahrzeuge eine mögliche Gefahrenquelle darstellen, da sie während der Bedienung den Fahrer ablenken. In Zusammenarbeit mit der Universität von Utah untersuchten die Forscher fünf Modelle mit den Baujahren 2017 und 2018. Dabei wurden jeweils verschiedene Funktionen über das native Infotainmentsystem, über CarPlay und über Android Auto ausgeführt. Darunter befanden sich beispielsweise die Programmierung der Navigation, die Eingabe einer Textnachricht und der Aufbau eines Telefonanrufs. Für die drei Alternativen (native Lösung, CarPlay, Android Auto) wurde in jedem getesteten Anwendungsfall die benötigte Durchschnittszeit ermittelt.

 

Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass die die Bedienung von CarPlay und Android Auto weniger Zeit in Anspruch nimmt. Beispielsweise erfolge die Zieleingabe in der Navigation bei den Lösungen zur Smartphone-Integration bis zu 15 Sekunden schneller. Das entspricht einem Geschwindigkeitsvorteil von 31 Prozent. Insgesamt falle der Bedienungsbedarf bei CarPlay und Android Auto „moderat“ aus, während die nativen Infotainmentsysteme mit „sehr hoch“ eingestuft werden. Diese Bewertungsskala berücksichtigt die visuelle Ablenkung (Augen weg von der Straße), der kognitive (mentale) Aufwand und den Zeitbedarf für die Ausführung der Anwendung. Marshall Doney, Präsident und CEO von AAA zieht folgendes Fazit: „Die Automobilhersteller sind Experten in der Entwicklung sicherer Fahrzeuge, aber Google und Apple sind überlegen bei der Entwicklung der Infotainment-Technologie.“ Er appelliert an die beiden Branchen, durch Zusammenarbeit diese Technologie hinsichtlich Design, Funktionalität und Sicherheit zu verbessern. Die AAA verweist auf die Möglichkeit, zeit- und ablenkungsintensive Anwendungen während der Fahrt auszublenden.

 


 

Quelle: Pressemitteilung AAA: Apple and Google Speed Ahead in Safer Design of Vehicle Infotainment Technology, veröffentlicht am 27.06.2018, letzter Zugriff am 02.07.2018, URL: https://newsroom.aaa.com/2018/06/apple-google-safer-vehicle-infotainment-technology/