Amazon Alexa: Sprachsteuerung in den vernetzten Fahrzeugen

Branchenübergreifend gewinnt der Einsatz der Sprachsteuerung zunehmend an Bedeutung. Dank kontinuierlicher Fortschritte in der Verbesserung der Technologie entwickelt sich der Sprachroboter beinahe zum gleichwertigen Gesprächspartner. Das wiederum erlaubt die einfache Steuerung von digitalisierten Produkten mittels Sprachbefehlen. Insbesondere im Kontext der Fahrzeuge besitzt die Sprachsteuerung großes Potenzial. Die Bedienung des Infotainmentsystems durch sprachliche Befehle lenkt tendenziell weniger vom Straßengeschen ab als die Eingabe per Touch oder mit Tasten. Das setzt allerdings voraus, dass die Sprachbesteuerung den Nutzer versteht. Letzteres stellte die Automobilhersteller lange Zeit durchaus vor Herausforderungen. In vielen Infotainmentsystemen kommen Systeme zum Einsatz, die ausschließlich auf vorprogrammierte direkte Kommandos basieren. Bereits leichte Abwandlungen reichen aus, dass die Spracheingabe die Befehle nicht mehr erkennt. Auch die sprachliche Programmierung der Navigation funktioniert häufig nicht, weil das System die gewünschte Adresse nicht versteht. Das zwingt den Nutzer zur herkömmlichen Eingabe der Adresse (Drehknopf, Touch). Hinzu kommt, dass Fahrgeräusche aus den Befehlen gefiltert werden müssen.

Die Zukunft geht in die Richtung einer natürlichen Sprachsteuerung, die mehr versteht als reine Befehle. Anstelle einer definierten Liste an Befehle unterhält sich der Anwender mit dem intelligenten Sprachcomputer, der zum persönlichen Assistenten aufsteigt. Als einer der Vorreiter gilt die von Apple entwickelte Software Siri, die 2011 erstmalig im iPhone 4S zum Einsatz kam. Mittlerweile verfügen auch die aktuellen Connected Cars über deutlich bessere Sprachsteuerungen. Für Aufsehen sorgte beispielsweise das Anfang des Jahres vorgestellte neue Infotainmentsystem MBUX von Mercedes-Benz (connected-cars.net berichtete). Das System feierte seine Premiere in der neuen A-Klasse. Die intelligente Sprachsteuerung stellt eine vollständige Neuentwicklung in Zusammenarbeit mit ausgewählten Partnern dar. Der persönliche Assistent hört auf den Befehl „Hey Mercedes“ und reagiert selbst auf indirekte Aussagen. Beispiel: Wenn der Fahrer dem System mitteilt, ihm sei es zu kalt im Fahrzeug, erhöht MBUX selbstständig die Temperatur. Außerdem lernt und verbessert sich das System fortwährend – es versteht etwa neue Modewörter.

Daimler setzt bei der MBUX-Sprachsteuerung auf eigene Neuentwicklung

Grundsätzlich existieren bei der Integration einer intelligenten Sprachsteuerung in die vernetzten Fahrzeuge zwei strategische Optionen. Eine Möglichkeit stellt der von Daimler bei MBUX beschrittene Weg der Neuentwicklung einer eigenen Lösung dar. Die Entscheidung hängt unter anderem damit zusammen, dass der Automobilhersteller bei der Entwicklung die Besonderheiten im Fahrzeugkontext berücksichtigen konnte. Dazu gehört etwa, dass der Ausbau des Mobilfunknetzes noch stark variiert. Auf der Autobahn oder in ländlichen Gegenden bricht stellenweise die Internetverbindung ab. Das hätte zur Folge, das eine rein onlinebasierte Sprachsteuerung vorübergehend nicht funktioniert. Die MBUX-Sprachsteuerung arbeitet daher nicht ausschließlich in der Cloud, sondern verfügt zusätzlich über eine On-Board-Funktionalität. Hinzu kommt, dass Daimler mit der eigenen Sprachsteuerung eine digitale Innovation für die Connected Cars veröffentlichte, die eine Differenzierung vom Wettbewerb erlaubt.

Integration von Amazon Alexa als strategische Alternative

Die Alternative zur Eigenentwicklung besteht darin, eine existierende Lösung zu integrieren. Dadurch entfallen die Kosten einer aufwendigen Eigenentwicklung. Schließlich besitzen bekannte Unternehmen wie Apple, Amazon und Google bereits sehr ausgereifte natürliche Sprachsteuerungen. Auf diese Strategie setzen aktuell exemplarisch BMW und Seat. Als erster Automombilhersteller führte Seat diesen Monat die Sprachsteuerung Alexa von Amazon ein. BMW kündigte bereits im letzten Jahr die Alexa-Unterstützung an, die Veröffentlichung ist ebenfalls noch für August geplant. Bei der technischen Integration gehen die beiden Unternehmen jedoch unterschiedliche Wege. Seat unterstützt Alexa für ausgewählte Modelle über die Smartphone-App „Seat Media Control“. Dementsprechend setzt der Einsatz von Alexa voraus, dass eine Verbindung mit dem Smartphone im Fahrzeug vorliegt. Zunächst steht Alexa nur für die Android-Applikation zur Verfügung. Ein entsprechendes Update für die iOS-App kündigte der Hersteller gegenüber PCWelt für 2019 an. BMW bietet Amazon Alexa für alle Fahrzeuge an, die seit März 2018 vom Band liefen. Die Buchung dies Dienstes erfolgt über den Store von BMW ConnectedDrive. Zu den verlangten Kosten machte der Hersteller bislang keine Angaben. Im Gegensatz zu Seat setzt BMW auf eine native Integration von Alexa im Infotainmentsystem. Dadurch entfällt der Zwischenschritt über das Smartphone. Um den Sprachdienst zu aktivieren, drückt der Fahrer eine entsprechende Taste am Lenkrad. Der Sprachbefehl geht über das Backend von BMW weiter an die Amazon-Server.

Um die Verbereitung von Alexa in den Connected Cars zu beschleunigen, bietet Amazon seit Kurzem ein spezielles Software Development Kit an. Das Alexa Auto SDK erleichtert es den Herstellern, Alexa in die vernetzten Fahrzeuge zu integrieren. Damit lassen sich bestimmte Alexa-Funktionalitäten mit vergleichsweise wenig Aufwand ins Infotainmentsystem übernehmen. Dazu zählen beispielsweise Anrufe, die loale Suche, die Adresseingabe für die Navigation oder der Zugriff auf Streaming-Dienste wie Amazon Prime Music.

 


 

Quellen:

https://www.pcwelt.de/a/so-soll-alexa-im-bmw-aussehen-und-funktionieren,3451757

https://www.pcwelt.de/a/so-soll-alexa-im-bmw-aussehen-und-funktionieren,3451757

https://developer.amazon.com/de/alexa-voice-service/alexa-auto-sdk

https://www.golem.de/news/sprachsteuerung-in-fahrzeugen-wenn-autos-verstehen-lernen-1505-113956.html